To slam or not to slam, that is the question

Es gab da so eine Frage, die mich im letzten halben Jahr enorm beschäftigt hat. Unterbewusst. Seit sie mir heute gestellt wurde, beschäftige ich mich absichtlich selbst damit: to slam or not to slam?

 

Ich schreibe schon ziemlich lange. Und habe auch – wie wahrscheinlich jeder, der auch nur im entferntesten künstlerisch tätig ist – mehrere Entwicklungsstadien durchgemacht. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin weit davon entfernt, das Ende meiner Entwicklung erreicht zu haben oder das auch nur zu behaupten. Aber auf diesem Weg wurde mir immer wieder gesagt: “Du solltest das an Verlage/die Zeitung schicken.” Kurz und gut: dazu hatte ich nie die Courage. Aber als dann in den sog. “Nullerjahren” das Format Poetry Slam bekannt und salonfähig wurde, dauerte es auch gar nicht lange, bis aus den Verlagen und der Zeitung eben Poetry Slam wurde.

Also machte ich mir ein Bild davon, was Poetry Slam überhaupt ist. Ich kann leider nicht mehr sagen, wann das war, aber ich nehme an, dass es so um 2006 herum gewesen sein musste. Die Idee dahinter gefiel mir auf Anhieb. Der nächste Schritt war also, sich so etwas mal live und in Farbe anzuschauen. Wenn man allerdings im kultur- und ÖPNVarmen Odenwald gefangen ist, wird das schon mal zum Problem. Es blieb mir nur das Fernsehen und das Internet. Und was ich dort zu sehen bekommen habe, fand ich nicht nur nicht ansprechend, sondern richtig abstoßend. Ein Haufen möchtegern-alternativer, möchtergern-intellektueller Möchtegerns, die mit mariobarthesken Alltags- und Trivialbeobachtungen das Genre der Standup-Comedy ein weiteres Mal exhumierten. Es war für mich keine Plattform für Poesie, sondern für anspruchslose Peinlichkeiten. Und eine Beteiligung an einer solchen Trivialbespaßungsveranstaltung kam für mich nicht in Frage. Das sollte auch lange so bleiben.

Entsprechend groß waren meine Skrupel, als es darum ging, einen Poetry Slam überhaupt nur zu besuchen. Ich möchte nicht leugnen, dass es ziemlich viel Überzeugungsarbeit gekostet hat, mich dazu zu bewegen. Aber letzten Endes ging – bzw. humpelte, denn ich hatte das Bein in Gips – ich dann doch im Sommer 2011 auf meinen ersten Poetry Slam. Dieser fand im Kosmodrom in Heidelberg statt und hat mich zwar nicht restlos überzeugt, aber doch meine Vorbehalte deutlich entkräftet. Der Gewinner, Tobias Gralke, hatte seinen Sieg und die Bezeichnung “Poet” in der Tat verdient. Aber je größer die Slams wurden, die ich besuchte, umso mehr bestätigten sie doch meine ursprüngliche Einschätzung. Eigentlich, wollte ich auch weiterhin nicht aktiv mitmischen.

Als jedoch ein Bekannter, der einen Poetry Slam in Hof veranstaltet, @Adlerohren und mich gefragt hat, ob wir nicht im April 2012 teilnehmen wollten, ließ ich mich umstimmen. Als Experiment sozusagen. Es glückte. Ich kam immerhin bis ins Finale (@Adlerohren, die ja viel geübter ist als ich, natürlich auch), was nicht zuletzt daran lag, dass es keinen einzigen, eindeutig als “Comedy” zu bezeichnenden Beitrag gab. Ich hatte doch etwas Hoffnung geschöpft, was dieses Format betrifft.

Nun wollte ich es also in meiner “Hood” einmal versuchen. Ich meldete mich für einen Poetry Slam am DAI in Heidelberg an und durfte auch Teilnehmen (Beweis: http://bit.ly/U3ukY5 ). Im Juni 2012 erklomm ich dann die heimische Bühne. Natürlich gleich als erster- ich kenne ja mein Losglück. Was danach kam, spottete aber weitestgehend jeder Beschreibung. An diesem Abend fand sich – zumindest in der Vorrunde – ausschließlich Comedy in der Textauswahl. Ich war dermaßen frustriert, dass ich beschlossen hatte, die Slammerei an den Nagel zu hängen. Die Erfahrungen von @Adlerohren liefen im Übrigen nicht wesentlich besser; das krasseste Beispiel dürfte ein Slam an der Uni Mannheim gewesen sein, der wirklich (niveaubezogen) unterirdisch war. Aber irgendwie merkte ich, dass ich mit dem Thema noch nicht ganz am Ende war. Immer wieder schlich sich ein Zweifel an dieser Entscheidung ein. Bis heute.

Heute “auf Arbeit” hatten wir Besuch von einem Kollegen aus dem Ortenaukreis. Ich hatte diesen noch nie zuvor gesehen, weshalb mein Chef uns einander vorgestellt hatte. Zu meiner großen Überraschung gab er an, mich zu kennen. Als ich ihn perplex fragte woher, gab er mir zur Antwort, dass er meinen Poetry Slam-Beitrag auf Youtube gesehen hätte. Das überraschte mich noch viel mehr, wohl aber nicht so sehr wie seine folgende Frage: “War das nur eine Episode, oder machst du das weiterhin?”

Jetzt war ich damit konfrontiert. Und ich musste zu einer Entscheidung kommen; schließlich wartete mein Gegenüber auf eine Antwort. Schneller, als es mir bewusst wurde, hatte ich sogar die richtig – und ehrliche – Antwort parat: “Ich weiß es nicht.” Nach einer kleinen, nicht ganz freiwillig eingebauten Kunstpause führte ich weiter aus: “Einerseits bin ich sehr frustriert davon, dass das Format Poetry Slam mehr und mehr zur Bühne für verhinderte Mariobarthisten wird und möchte damit eigentlich nichts zu tun haben. Andererseits kann ich denen aber auch nicht kampflos das Feld überlassen.” Ich war selbst etwas erstaunt, dass ich es geschafft hatte, meine bisherigen diffusen Gedankengang doch noch zu bündeln und als sinnvolle Äußerung zu verbalisieren.

Ich habe seit dieser Begegnung weiter darüber nachgedacht, ob ich – kriegerisch gesprochen – kapitulieren oder kämpfen sollte. Aber auch bei dieser Entscheidung hat mir ein nicht ganz unpiratiger Gedanke geholfen: “Meckern kann jeder. Es darf aber nur der, der sich auch beteiligt.” Somit war der Entschluss eindeutig gefasst. Die Ansage lautet also:

Ich werde wieder an Poetry Slams teilnehmen. Auch wenn ich damit tierisch auf die Schnauze falle, was den “Erfolg” angeht. Immerhin habe ich damit ein Zeichen gesetzt und das Feld nicht kampflos geräumt. Ich kümmere mich dann mal um die nächsten Möglichkeiten.

Stay Tuned.

 

Autor: Herr_Samsa

Eingeschlafen - geträumt - aufgewacht - Käfer.

2 Gedanken zu „To slam or not to slam, that is the question“

  1. *thumbs up* Scheint ein tatsächlich leidiges Thema zu sein. Auch auf SWR2 haben sie die vergangenen Tage freudig über Poetry Slams, respektive deren Verfall, palavert. Allein, den Teilnehmern gebührt wenigstens insofern mächtig Respekt, als dass sie sich überhaupt auf die Bühne stellen und ihre Texte zum Besten geben (in welcher Form auch immer). Alles andere ist dann, ja, Ansichtssache.
    Ich werde jedenfalls weiterhin nur Zuschauer bleiben.^^ Und sobald ich mitbekomme, dass der Herr Samsa wieder einen Auftritt tritt, sehe ich zu, auch live dabei zu sein. Sowas will man doch nicht verpassen.

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