Blickdiagnose: „Türke“

Schubladendenken
Foto: G. Kraftschik CC-BY

[Content Note: Rassistsische Sprache]

[tl;dr] Die Art und Weise, wie eine “biodeutsche” kollektive Identität konstruiert wird, führt notwendigerweise dazu, dass Rassismen entstehen und diese dann nicht als solche erkannt werden, weil sie als gewöhnlich, banal und unverfänglich gelten.

Disclaimer: Ich bin in aller Regel nicht von Rassismus betroffen und verfüge über die meisten Privilegien, die unsere Gesellschaft bereithält. Unter diesem Vorzeichen sind meine Gedanken und Beobachtungen zu verstehen, auf jeden Fall nicht als Versuch, stellvertretend und verallgemeinernd Rassismus zu erklären oder individuelle Rassismuserfahrungen zu verneinen.

In letzter Zeit sind mir immer wieder einzelne Gespräche mit Personen aus meinem Umfeld ziemlich sauer aufgestoßen. In dem Moment, in dem die jeweils problematischen Äußerungen fielen, verfügte ich weder über die notwendige Ruhe noch die angemessenen Worte, um meine Bauchschmerzen zu artikulieren. Deshalb habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was den jeweiligen Äußerungen gemein ist, was sie implizieren und aussagen und was sie für eine Wirkung entfalten (also: welche Kackscheiße sie reproduzieren). Einige Beispiele: „Blickdiagnose: „Türke““ weiterlesen

Was heißt hier ‘unverkrampft’?

CC-BY-SA 2.0 K. van RYSWYK>
CC-BY-SA 2.0 K. van RYSWYK>

[tl;dr] Der Ausdruck vom “unverkrampften Patriotismus” transportiert die durch eine Metapher gekennzeichnete Ablehnung des gefühlten Ist-Zustandes (“verkrampfter Patriorismus”) und damit die Forderung nach einem unangreifbaren, emotionalen, positiven Bezug zur eigenen Nation. Mit anderen Worten: Bullshit.

Spätestens seit der FIFA Fußballweltmeisterschaft der Herren 2006, die in der Bundesrepublik Deutschland ausgetragen wurde, gibt es hierzulande einen vergleichsweise breiten Diskurs darüber, wie diese Deutschen denn zu ihrem Land stünden und wie es sich – sooo lange nach dem Krieg – für sie schickt, dieses Verhältnis auszudrücken. Die Phrase vom „unverkrampften Patriotismus“ erlangte recht zügig eine bedeutende Stellung im Diskurs und etablierte sich als Schlagwort. Aber ist unverkrampft auch unproblematisch? (Wohl eher nicht, sonst gäbe es diesen Beitrag nicht…)

„Was heißt hier ‘unverkrampft’?“ weiterlesen

“Polizeigewalt? Gibt’s ja gar nicht!”

CC-BY-SA 2.0 by quinn.anya via flickr.com
CC-BY-SA 2.0 by quinn.anya via flickr.com

tldr; So lange die Mehrheitsgesellschaft im öffentlichen Diskurs nicht auch nur ansatzweise die Möglichkeit der Existenz des Konzepts “Polizeigewalt” anerkennt, sind alle Bemühungen um Aufmerksamkeit für das Thema vergebens. Der Nimbus der Institution Polizei in der öffentlichen Wahrnehmung als per se gute, gerechte, unfehlbare, und verlässliche gesellschaftliche Größe muss dafür gebrochen werden. Wie? Uff..

„“Polizeigewalt? Gibt’s ja gar nicht!”“ weiterlesen

Der Bürger schmeckt nach…

CC-BY dierk schäfer flickr.com
CC-BY dierk schäfer flickr.com

tl;dr: Bitte sagt doch in Diskussionen nicht mehr einfach bloß Bürger. Ohne Weiteres weiß nämlich kein Mensch, was (und vor allem wer) damit gemeint ist. Das führt doch zu nix… „Der Bürger schmeckt nach…“ weiterlesen

Im Streichelzoo der Überwachung

3745037395_dbac1db945_Jonathan McIntosh
CC BY-SA Jonathan McIntosh, flickr.com

Gerade ist die Empörung einmal wieder strohfeuergewordene öffentliche Meinung, da Angela Merkels Handy potentiell von US-amerikanischen Geheimdiensten”ausgespäht” wurde. Bei einschlägigen Nachrichtenportale werden zugehörige Artikel unter dem Schlagwort Internet-Überwachung gesammelt. Und weiter?

„Im Streichelzoo der Überwachung“ weiterlesen