Kategorie-Archiv: Politik

Blickdiagnose: „Türke“

[Content Note: Rassistsische Sprache]

[tl;dr] Die Art und Weise, wie eine „biodeutsche“ kollektive Identität konstruiert wird, führt notwendigerweise dazu, dass Rassismen entstehen und diese dann nicht als solche erkannt werden, weil sie als gewöhnlich, banal und unverfänglich gelten.

Disclaimer: Ich bin in aller Regel nicht von Rassismus betroffen und verfüge über die meisten Privilegien, die unsere Gesellschaft bereithält. Unter diesem Vorzeichen sind meine Gedanken und Beobachtungen zu verstehen, auf jeden Fall nicht als Versuch, stellvertretend und verallgemeinernd Rassismus zu erklären oder individuelle Rassismuserfahrungen zu verneinen.

In letzter Zeit sind mir immer wieder einzelne Gespräche mit Personen aus meinem Umfeld ziemlich sauer aufgestoßen. In dem Moment, in dem die jeweils problematischen Äußerungen fielen, verfügte ich weder über die notwendige Ruhe noch die angemessenen Worte, um meine Bauchschmerzen zu artikulieren. Deshalb habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was den jeweiligen Äußerungen gemein ist, was sie implizieren und aussagen und was sie für eine Wirkung entfalten (also: welche Kackscheiße sie reproduzieren). Einige Beispiele: Continue reading

Liebe Gruftis, ihr seid nicht unpolitisch!

CC-BY-SA 2.0 Brett L.

CC-BY-SA 2.0 Brett L.

[tl;dr] Viele Gruftis nehmen für sich in Anspruch, „unpolitisch“ zu sein. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Schwarze Szene – so wie sie gestrickt ist – gar nicht „unpolitisch“ sein kann. Damit wird sie für inhaltlich-politische Kritik greifbar, was angesichts ihrer durch das „unpolitisch“-Label ermöglichten Rechtsoffenheit bitter nötig ist.

Der Vorwurf, der sich an viele Gruftis richtet, politisch – vorsichtig ausgedrückt – zumindest rechtsoffen zu sein, erfährt von diesen regelmäßig scharfe Ablehnung. Mit dieser Ablehnung geht oft eine Weigerung einher, sich mit der geäußerten Kritik inhaltlich zu befassen, indem sie (vermeintlich) kategorisch obsolet gemacht wird: „Wir können nicht rechts sein, wir sind unpolitisch.“ Ehe also die Angesprochenen sich mit ihrer Verortung innerhalb einer Ideologie-Heuristik (hier: dem Links-Rechts-Schema) beschäftigen können, müssen diese zunächst begreifen, dass sie politisch sind. Ob sie es wissen bzw. wollen oder nicht.

Internationales Filmfestival MA-HD: Es ist zwar etwas teurer, doch dafür ist man unter sich…

iffmh2014

[tl;dr] Eine Prestige heischende Veranstaltung von „uns“ für „uns“, die wohlhabenden, weißen Deutschen. Und das scheint so gewollt. Muss das so sein? Nein!

So viel vorab: ich war nun bereits zum dritten Mal auf dem internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg und ich mag es sehr. Eigentlich. Ich freue mich immer, wenn ich intelligente, schöne, fesselnde Filme schauen und mir dazu meine Gedanken machen kann. Eigentlich. Bauchschmerzen bekam ich erst in diesem Jahr und erst, als ich die Blicke vor und während des Festivals schweifen ließ. Aber von vorne…

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„Polizeigewalt? Gibt’s ja gar nicht!“

CC-BY-SA 2.0 by quinn.anya via flickr.com

CC-BY-SA 2.0 by quinn.anya via flickr.com

tldr; So lange die Mehrheitsgesellschaft im öffentlichen Diskurs nicht auch nur ansatzweise die Möglichkeit der Existenz des Konzepts „Polizeigewalt“ anerkennt, sind alle Bemühungen um Aufmerksamkeit für das Thema vergebens. Der Nimbus der Institution Polizei in der öffentlichen Wahrnehmung als per se gute, gerechte, unfehlbare, und verlässliche gesellschaftliche Größe muss dafür gebrochen werden. Wie? Uff..

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Bildungsplan 2015: „Besorgte Bürger“ my ass!

CC-BY 2.0 by Fersal78 via flickr.com

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tl;dr Die Straßenpräsenz der Bildungsplangegner*innen ist nicht auf bürgerschaftliches Engagement zurückzuführen, sondern auf die Mobilisierungsfähigkeit und -Erfahrung rechter und rechtspopulistischer Gruppierungen.

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