Die Stadt Leipzig, Twitter und *istische Hufeisen

Bild: CC BY 2.0 De Havilland

[tl;dr] Trotz einer auf allen Ebenen  von einem massiven Rechtsruck gezeichneten Atmosphäre, schafft es die Stadt Leipzig mit erschreckend wenig Aufwand, dennoch „der Feind steht links“-Rhetorik an den Tag zu legen.

Kürzlich erst wollte ich mich der Sezierung eines unglaublich miesen Polizeiberichts widmen, da ist mir das – lesenswerte – Sprachlos-Blog in der Veröffentlichung zum Thema zuvorgekommen. Das soll mir nicht noch einmal passieren. Daher nun hier und heute meine Auseinandersetzung mit einer ganzen Reihe anderer, durchaus problematischer Verlautbarungen. Diesmal kommen Sie nicht von der Polizei, sondern von der Stadt Leipzig.

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‚Die sind noch nicht so weit…‘

Bild: CC BY 2.0 Adrián Castillo Rivera

[tl;dr] „Die sind noch nicht so weit“ suggeriert das naturgesetzmäßige Aufeinanderfolgen unterschiedlicher sozialer Realitäten, was den einzelnen Menschen von der Verantwortung entbindet, diese zu gestalten, gleichzeitig aber jene Menschen abwertet, die nicht in dieses „Entwicklungsmodell“ passen.

Manche Dinge, die mit der menschlichen Existenz einhergehen, sind universal und unumstößlich. Wie beispielsweise die Tatsache, dass der Organismus all der Menschen, die gerade diesen Text lesen, eines Tages endgültig versagen wird, was ihr Leben unwiederbringlich beendet. Manch anderes ist nur sehr wahrscheinlich wie etwa das Erlernen des aufrechten Ganges und sich verbal zu artikulieren. Und dann gibt es Dinge, die willkürlich gemacht sind, aber so behandelt werden, als gehörten sie zu erstgenannter Kategorie. Diese Behandlung offenbart sich (u.a.) im Sprachgebrauch, in weit verbreiteten Phrasen. Eine davon ist „Die sind noch nicht so weit.“ Ich versuche im Folgenden darzulegen, wann und warum sie problematisch ist. „‚Die sind noch nicht so weit…‘“ weiterlesen

Ein Lebenszeichen oder: Huch, ich hab ja noch diesen Blog im Internet rumliegen…

Ich hoffe inständigst, dass niemensch nur über diesen Blog Kontakt zu mir hat und sich deswegen sorgen müsste, dass mir seit Juni 2015 etwas zugestoßen sein könnte, das meine irdische Existenz beendet hätte. Um diese ohnehin schon unwahrscheinliche Situation zu verunmöglichen, liefere ich unter anderem deshalb hier mal ein kurzes Lebenszeichen ab. But wait, there’s more! „Ein Lebenszeichen oder: Huch, ich hab ja noch diesen Blog im Internet rumliegen…“ weiterlesen

Blickdiagnose: „Türke“

Schubladendenken
Foto: G. Kraftschik CC-BY

[Content Note: Rassistsische Sprache]

[tl;dr] Die Art und Weise, wie eine „biodeutsche“ kollektive Identität konstruiert wird, führt notwendigerweise dazu, dass Rassismen entstehen und diese dann nicht als solche erkannt werden, weil sie als gewöhnlich, banal und unverfänglich gelten.

Disclaimer: Ich bin in aller Regel nicht von Rassismus betroffen und verfüge über die meisten Privilegien, die unsere Gesellschaft bereithält. Unter diesem Vorzeichen sind meine Gedanken und Beobachtungen zu verstehen, auf jeden Fall nicht als Versuch, stellvertretend und verallgemeinernd Rassismus zu erklären oder individuelle Rassismuserfahrungen zu verneinen.

In letzter Zeit sind mir immer wieder einzelne Gespräche mit Personen aus meinem Umfeld ziemlich sauer aufgestoßen. In dem Moment, in dem die jeweils problematischen Äußerungen fielen, verfügte ich weder über die notwendige Ruhe noch die angemessenen Worte, um meine Bauchschmerzen zu artikulieren. Deshalb habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was den jeweiligen Äußerungen gemein ist, was sie implizieren und aussagen und was sie für eine Wirkung entfalten (also: welche Kackscheiße sie reproduzieren). Einige Beispiele: „Blickdiagnose: „Türke““ weiterlesen

Liebe Gruftis, ihr seid nicht unpolitisch!

CC-BY-SA 2.0 Brett L.
CC-BY-SA 2.0 Brett L.

[tl;dr] Viele Gruftis nehmen für sich in Anspruch, „unpolitisch“ zu sein. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Schwarze Szene – so wie sie gestrickt ist – gar nicht „unpolitisch“ sein kann. Damit wird sie für inhaltlich-politische Kritik greifbar, was angesichts ihrer durch das „unpolitisch“-Label ermöglichten Rechtsoffenheit bitter nötig ist.

Der Vorwurf, der sich an viele Gruftis richtet, politisch – vorsichtig ausgedrückt – zumindest rechtsoffen zu sein, erfährt von diesen regelmäßig scharfe Ablehnung. Mit dieser Ablehnung geht oft eine Weigerung einher, sich mit der geäußerten Kritik inhaltlich zu befassen, indem sie (vermeintlich) kategorisch obsolet gemacht wird: „Wir können nicht rechts sein, wir sind unpolitisch.“ Ehe also die Angesprochenen sich mit ihrer Verortung innerhalb einer Ideologie-Heuristik (hier: dem Links-Rechts-Schema) beschäftigen können, müssen diese zunächst begreifen, dass sie politisch sind. Ob sie es wissen bzw. wollen oder nicht.